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Horse-Sense oder wie Alexander zuerst ein Pferd und dann ein Weltreich eroberte

Drei Schritte zum Charisma der Führung von Fritz Hendrich

Hendrich schrieb dieses Buch für jene Leute, die ihren Horse-sense, also gesunden Menschenverstand, schärfen und einsetzen wollen um als Manager und im Team mit anderen Ziele zu erreichen. Er hat am Beispiel Alexander des Großen eine Anleitung, wie man eine kompetente, gewaltfreie Führung aus Einfühlung und Verständnis, aus Stärke und Klarheit zusammengefasst. Hendrich zeigt Anhand von Beispielen auch, wie eine gute Führungskraft sein soll und was sie dazu braucht- nämlich Charisma.

Durch Dreijahrtausende sind Männer, die Führung übernehmen sollten und es erfolgreich getan haben mit ihrem Pferd aufgewachsen. Wer erfolgreich war, ließ sich mit seinem Pferd in Bronze oder Stein, auf Bildern und Fresken der Nachwelt überliefern.
Was damit dargestellt wurde strahlt der Partner Pferd aus: Kraft, Würde, Schönheit, Mut, Stärke und Heldentum – eben Charisma.
Ein Pferd lässt sich zur Zusammenarbeit überzeugen und gewinnen, wenn ihm sichere aber gewaltfreie Führung angeboten wird. Dazu benötigt es: Aufmerksamkeit und Achtsamkeit, Vertrauen und Berechenbarkeit, Wertschätzung und Respekt.
Das sind die Fähigkeiten, die eine überzeugende und motivierende Führungskraft haben soll. Die drei Qualitäten Achtsamkeit, Vertrauen und Respekt ergeben das, was als Führungscharisma bewundert wird und erstrebenswert ist. Die Wachsamkeit der Sinne ist Grundlage für die Fähigkeit charismatischer Führer, sie sollten Bedürfnisse ihrer Leute ansprechen.
Das kann man an der Geschichte Alexanders, wie er mit dem Hengst Bukephalos umging, erkennen. Bukephalos wurde König Philipp, dem Vater Alexander des Großen, zum Kauf vorgeführt. Fünf Stallburschen führten den schwarzen Hengst den Anwesenden zur Ansicht auf den Reitplatz, alle erschraken bewundernd vor der Kraft. Die Knechte mit Zaumzeug und Stricken konnten ihn nicht bändigen. Er stieg mit voller Kraft immer wieder hoch. Die Knechte reagierten, indem sie noch mehr Gewalt anwendeten. Alexander beobachtete dieses Schauspiel eine Zeit lang.
Er bat seinen Vater das Pferd freizulassen, doch dieser befahl: Lasst ihn bloß nicht los, und führt den Hengst hinaus, den niemand reiten kann. Alexander aber rief:“ Nein lasst ihn los, ich möchte ihn hier auf dem Reitplatz frei laufen sehen. Vater wir werden doch nicht auf das wertvolle Pferd verzichten, weil hier keiner im Stande ist mit dem Pferd umzugehen“. Es dauerte einige Zeit, bis Alexander seinen Vater überzeugen konnte und das Pferd wurde losgelassen.
Die Knechte rissen ihm die blutige Trense aus dem Maul, dann rannte Bukephalos los. Alexander wusste, dass der Reitplatz eingezäunt war. Als aber das Pferd merkte, wie es von den Knechten, die es mit Gewalt behandelt hatten verfolgt wurde, rannte Bukephalos los und sprang über die Balken. Der Stallmeister und seine Gehilfen wollten ihn verfolgen.
Da rief Alexander:“ Bleibt hier, ich nehme Daphne, die Stute meines Vaters“. Alexander nahm die Verfolgung auf, den er glaubte zu wissen warum der Hengst scheute. Alexander hatte während seiner Beobachtung wahrgenommen, dass das Pferd vor seinem eigenen Schatten scheute. Deswegen achtete Alexander beim Einholen des Hengstes darauf, dass dieser so zur Sonne stand, dass er nicht seinen eigenen Schatten sah. So konnte er versuchen mit seiner Stute das Interesse des Pferdes zu gewinnen und vorsichtig Kontakt aufzunehmen. Alexander nahm mit seinem Pferd die Verfolgung auf, plötzlich verlangsamte sich sein Pferd. Alexander sah gegen die Nachmittagssonne, dass Bukephalos stehen geblieben war.
Der Prinz kam ihm nicht zu nahe, der Hengst begann an Gräsern zu zupfen, so tat es auch die Stute. Alexander blieb auf ihr sitzen und beobachtete mit allen Sinnen Bukephalos. Nun begann das Spiel von Annäherung und Vorsicht. Alexander wusste aus seinem Unterricht, dass Pferde nicht alleine leben wollen. Sie brauchen Anschluss und Partnerschaft, dies gibt ihnen Schutz und Sicherheit. Zum Überleben im Freien brauchen sie eine Führung, die ihnen Schutz gibt. Alexander wusste, dass er in diesem Moment Bukephalos zeigen musste, dass er keine Angst haben brauche und ihm vertrauen könne. Dazu musste er erst als Partner wahrgenommen werden. Es dauerte noch einige Zeit, doch plötzlich spürte er, dass Bukephalos ihm, der mit seinem Pferd Daphne einige Schritte gegen die Abendsonne ging, langsam folgte.
Der Prinz jubelte innerlich, denn nun wusste er, dass sie sein Interesse, seine Beobachtung und Neugier gewonnen hatten. Nun mussten sie noch sein Vertrauen gewinnen.
Achtsamkeit ist die erste Qualität von Führungscharisma schreibt Hendrich. Die Art wie Alexander an Bukephalos heranging, nämlich nicht mit Druck und Gewalt. Er beobachtete, dass das Pferd immer dann scheute, wenn es seinen eigenen Schatten sah. Er schärfte seine Wahrnehmung und zeigte immer mehr Interesse an dem Tier. Wäre Bukephalos weiter gewaltsam gezüchtigt worden, hätte er immer den Schatten als Verursacher seiner Schmerzen gehalten. Seine Angst wäre immer größer geworden. Mit Druck kann man die Angst nicht nehmen. Drohungen bewirken Widerstand, Frust und Stress dadurch wird die Angst noch größer. Aber es gibt eine Form von Druck, die auf Einfühlung und Verständnis beruhen. Sie schaffen Klarheit und Sicherheit.
Hendrich schreibt das einfühlende Verstehen ist die Grundlage für den gefühlvollen Umgang mit richtungsweisendem Druck. Das verlangt verstärkte Achtsamkeit und Zuwendung zum Partner Pferd oder Mensch, die nicht an Bedingungen von Leistung oder Wohlverhalten geknüpft sein darf. Der zweite Punkt für eine charismatische Führung ist Vertrauen.
Hendrich schreibt: Vertrauen gewinnt über Kontrolle. Alexander gewann das Vertrauen des Pferdes Bukephalos. Er schickte sein Pferd Daphne nach Hause auf den Hof und wartete in der Abenddämmerung alleine auf die Reaktionen von Bukephalos. Zuvor nahm er noch ein Seil aus der Satteltasche. Während des Wartens kamen ihm noch Gedanken wie: „Ich habe mir wohl zuviel zugetraut, warum sollte der Hengst mir anvertrauen, was könnte ich ihm bieten, was könnte ihn überzeugen. Er weiß nicht, welch große Pläne ich habe und ich ihn als meinen Partner für meine Eroberungen möchte“. Doch plötzlich spürte er etwas hinter ihm, es war Bukephalos, der ganz nahe herankam. Zuerst spürte er seinen Atem und danach die Nüstern auf seinen Handrücken. Vorsichtig drehte er seine Hand um und begann ihn an der Mähne zu streicheln. Bukephalos senkte den Kopf als ob er mit dem Streicheln einverstanden wäre. Mit einer ruhigen Stimme sagte Alexander „Bukephalos, willst du bei mir bleiben und mich wenn ich einmal König von Makedonien und ganz Griechenland sein werde, begleiten“? Als ob er noch mehr von den Plänen Alexanders wissen wollte, neigte das Pferd, fast schon mit einem Druck den Kopf gegen seine Hand. Nun wusste Alexander, er hat das Vertrauen des Hengstes gewonnen.
Vertrauen kann nur entstehen, wenn man anderen etwas zutraut und sich selbst traut. Hätte Alexander nicht selbst den Mut gehabt, wäre er das Risiko nicht eingegangen dem Pferd zu folgen. Alexander baute das Vertrauen zu dem gequälten und verängstigten Pferd auf, indem er ihm erst einmal die Freiheit gab, das Pferd nahm sich diese auch und lief davon. Alexander hätte Bukephalos als er ihn eingeholt hatte weiter unter Druck setzen können aber er wollte keinen Sklaven, er wollte einen Partner und Vertrauen. Dazu musste er auf Macht verzichten.
Er bot Vertrauen an, indem er sich machtlos zeigte; er hatte den Mut Daphne, sein Pferd nach Hause zu schicken und alleine zu bleiben. Er bot ihm Vertrauen an im totalen Risiko. Bukephalos nahm es an, weil Kontakt und Zugehörigkeit ein Bedürfnis war für Vertrauensaufbau. Aber auch die Ehrlichkeit ist dabei wichtig, denn ein Pferd spürt und spiegelt seinem Gegenüber im selben Augenblick wider, in dem es wahrnimmt, ob es den Partner für vertrauens und glaubwürdig hält.
Vertrauen ist der Beginn einer Zusammenarbeit. Dazu braucht man auch Mut aber auch Demut. Mut und Demut sind keine Widersprüche. Demut ist eine hohe Form von Mut. Das ist der Mut zum eigenen Denken, ebenso wie der Mut zum Querdenken. Das ist der Mut zum Nichtwissen und damit eingestehen der eigenen Unvollkommenheit, ebenso wie der Mut zum Fehler machen, anstatt der mutlosen Entscheidungsvermeidung. Es ist auch Mut Verantwortung zu übernehmen. Es ist nicht Demut sich auf Anforderung von höheren Amtsinhabern zu berufen, gegen deren Befehle sich zu stellen der Mut fehlt; schreibt Hendrich. Nahtlos an das Thema Vertrauen schließt Respekt an.
Wie zeigt eine charismatische Führungsperson Respekt und wie erhält sie Respekt. Nachdem Alexander das Vertrauen zu Bukephalos hatte, brauchte er auch seinen Respekt. Er wollte keinen vierbeinigen Sklaven, sondern einen Partner der seine Führungsrolle akzeptierte. Dazu wollte er ihm eine partnerschaftliche Anerkennung geben, in der zu jeder Zeit die Interessen beider wichtig sind und beachtet werden. Alexander begann das Gespräch ohne Worte. Er nahm das Seil, das er noch hatte. Allerdings war ihm bewusst, dass Bukephalos auf dieses reagieren würde, er tat es auch und ging einige Schritte zurück. Bukephalos hatte Erfahrung gemacht mit den Riemen, die ihn verletzten, wenn die Knechte ihren Willen ihm aufzwingen wollten.
Als das Pferd einige Schritte zurückging, zeigte ihm Alexander sofort, dass er auf das Machtmittel verzichten konnte, indem er das Seil am Boden legte und selbst ein paar Schritte zurückging. Das machte Bukephalos neugierig und er näherte sich dem Seil. Alexander sprach zu ihm:“ Es ist unser gemeinsames Mittel, das uns hilft miteinander die gleiche Richtung zu finden. Mit ihm kannst du mir sagen was du willst und brauchst. Es soll uns helfen immer gemeinsam zum gleichen Ziel zu gehen“. Das Spiel mit dem Seil ging noch eine Zeit lang hin und her bis Alexander es gelang, das Seil ganz locker um seinen Hals zu knoten. Alexander redete ruhig auf das Pferd ein bis es ihm gelang auf seinen Rücken zu sitzen. Sie respektierten einander. Mit bestimmter und bestimmender Klarheit gab er dem Pferd Anweisung in welche Richtung es gehen sollte. Und zwar zurück auf den Hof seines Vaters König Philipp. Dort angelangt, erfuhr Alexander nicht nur Respekt von seinem Vater, auch von seinen Freunden und Feinden.
Führungskräfte die respektiert (aber nicht gefürchtet) werden, sind solche, die auch ihren Mitarbeitern Respekt, Wertschätzung und Anerkennung entgegen bringen und auf ihre Bedürfnisse Rücksicht nehmen. Respekt muss in beide Richtungen der Hierarchie hinauf und hinunter strömen. Respekt bei Mitarbeitern bekommt man als Beispielgeber, der auch das harte Feld zu teilen bereit ist und keine Entbehrung verlangt, zu der er selbst im mindestens gleichen Ausmaß bereit ist. Respekt braucht auch Nähe. Nicht allwissend zu sein ist keine Schande. Dazu auch zu stehen schafft Glaubwürdigkeit, Nähe und Berührbarkeit, so entstehen Vertrauen und Respekt.
Hendrich schreibt: Charismatische Führungskräfte sind die, die tun was sie wissen und eine Zielklarheit haben, die sie wissen lässt, was zu tun ist. Führungscharisma ist durch den Dreiklang, Beachtung, Vertrauen und Respekt definierbar.